Forschungsschiff NOVA zeigt in Düsseldorf, wohin die Binnenschifffahrt steuert
Auf Messen wird gern groß gedacht, manchmal auch etwas zu groß. Doch was die Universität Duisburg-Essen und das Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme Ende März 2026 in Düsseldorf zeigten, war mehr als bloße Zukunftsrhetorik. Auf der XPONENTIAL Europe rückte das autonome Forschungsschiff NOVA in den Mittelpunkt, und zwar nicht als hübsches Anschauungsobjekt, sondern als fahrendes Versuchsfeld für eine Schifffahrt, die ohne ständige Eingriffe an Bord auskommen soll. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder ließ sich am 24. März an Bord den Stand der Entwicklung erläutern. Die Messe selbst lief vom 24. bis 26. März, der gemeinsame Stand von UDE und DST befand sich in Halle 1 am Stand B52.
Fernsteuerung per Leitstand: NOVA als Testfall für den Alltag
Der eigentliche Reiz lag in der Demonstration: NOVA wurde nicht klassisch vom Schiff aus geführt, sondern aus einem Remote Operations Center am Messestand gesteuert. Echtzeit-Videos und Sensordaten übernahmen dabei die Rolle, die sonst Augenmaß, Erfahrung und unmittelbare Wahrnehmung an Bord haben. Gerade auf Binnenwasserstraßen, wo enge Passagen, dichter Verkehr und eingeschränkte Sicht schnell zum Problem werden, wirkt dieser Ansatz naheliegend. Ganz so simpel ist er freilich nicht. Denn zwischen einer gelungenen Vorführung und einem robusten Regelbetrieb liegt noch ein Stück Weg, auf dem Technik, Zulassung und Haftungsfragen sauber zusammenfinden müssen. Das spielte in den Aussagen der Beteiligten mit, auch wenn der Tenor erwartbar optimistisch ausfiel.
Sensorik, KI und Wasserdrohnen sollen die Schiffe entlasten
Nach Darstellung der Universität trieben UDE und DST die Entwicklung einer digitalen und nachhaltigeren Binnenschifffahrt seit Jahren voran. Rektorin Barbara Albert hob hervor, Automatisierung und Fernsteuerung seien für eine moderne Mobilität auf dem Wasser unverzichtbar; zugleich verwies sie auf den wirtschaftlichen Nutzen solcher Technologien. Jens Neugebauer vom Institut für Nachhaltige und Autonome Systeme erklärte, die Verbindung aus moderner Sensorik und Künstlicher Intelligenz solle Besatzungen an Bord und Personal im Leitstand so unterstützen, dass Schiffe sicherer und zugleich effizienter unterwegs seien. Frederic Kracht vom DST ordnete die autonome und ferngesteuerte Schifffahrt als wichtigen Baustein für einen klimafreundlicheren Güterverkehr ein. Am Stand blieb es nicht bei NOVA: Gezeigt wurden auch Wasserdrohnen für Überwachung, Hinderniserkennung und Datenerfassung sowie, gemeinsam mit der TU Dortmund, eine Lösung zur automatisierten Erkennung und Erzeugung von Funksprüchen in der Binnenschifffahrt. Nach Unternehmens- und Hochschulangaben soll genau dort ein Teil des praktischen Nutzens liegen: weniger Routinearbeit, mehr Überblick, im besten Fall mehr Sicherheit.
AISS-Konferenz bündelt Forschung zu autonomen Schiffen
Flankiert wurde der Messeauftritt von der Fachkonferenz Autonomous Inland & Short Sea Shipping, kurz AISS, die am 24. und 25. März stattfand. Die 2019 gestartete Konferenz war 2026 erstmals Partnerveranstaltung der XPONENTIAL Europe und gewann damit sichtbar an Reichweite. Im Programm standen autonome Navigationssysteme, Fernüberwachung von Schiffen, Hafentechnologien, KI-gestützte Wahrnehmung und sicherheitskritische Systeme; zudem wurden mehr als 15 europäische Forschungsprojekte vorgestellt. Das ist kein Nebenschauplatz. Gerade in der autonomen Schifffahrt entscheidet sich vieles nicht beim spektakulären Manöver, sondern in der nüchternen Frage, ob Sensorik, Software, Funk und Regeln zuverlässig zusammenspielen. NOVA ist deshalb weniger das Versprechen einer vollautomatischen Wasserwelt von morgen als ein Hinweis darauf, dass dieser Wandel bereits begonnen hat, wenn auch noch im Takt der Forschung.

