KI als Dolmetscher für die Wärmeplanung
Fraunhofer IEG entwickelt mit fünf Partnern eine Plattform, die Wärmepläne für Stadtwerke, Verwaltungen und Anwohner verständlich machen soll. Erprobt wird sie in der Lausitz und in Nordrhein-Westfalen.
Die kommunale Wärmeplanung erzeugt Unmengen an Daten: Netzberechnungen, Szenarien, Variantenvergleiche. Für Fachplaner sind diese Ergebnisse gut lesbar. Im Gemeinderat, in der Stadtwerke-Geschäftsführung oder bei Hausbesitzern, die wissen wollen, ob ihre Straße ans Wärmenetz kommt, sieht das anders aus. An dieser Stelle setzt das Forschungsprojekt HEATogether an. Unter Leitung der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG soll bis Anfang 2029 eine KI-gestützte Plattform entstehen, die Planungsergebnisse für die jeweilige Zielgruppe aufbereitet.
Projektleiterin Prof. Tanja Kneiske vom Fraunhofer IEG erklärt, Kommunen und Stadtwerke hätten heute leistungsfähige Werkzeuge für die Wärmeplanung. Die Herausforderung liege darin, die Ergebnisse für unterschiedliche Akteure verständlich und nutzbar zu machen. Mit HEATogether sollen Planungswerkzeuge, Künstliche Intelligenz und Wissen über die Menschen und Regionen erstmals in einer gemeinsamen Anwendung zusammenkommen.
Rechnen bleibt Sache der Planungssoftware
Ein weiterer Chatbot soll dabei nicht herauskommen. Die Forschenden koppeln vorhandene, wissenschaftlich geprüfte Planungswerkzeuge für Strom-, Gas- und Wärmenetze an ein KI-System. Die Aufgaben sind klar getrennt: Die Berechnungen liefern weiterhin die Planungstools. Die KI erklärt deren Ergebnisse, trifft aber selbst keine physikalischen Aussagen. Sie übersetzt zwischen den Fachebenen.
Wie diese Übersetzung ausfällt, hängt vom Gegenüber ab. Ein Netzplaner beim Stadtwerk braucht andere Informationen als die Kämmerei oder ein Anwohner. Hinzu kommen regionale Besonderheiten und Erfahrungen, die ebenfalls in die Aufbereitung einfließen sollen. Energieversorger und Kommunen könnten so etwa verschiedene Planungsvarianten gegenüberstellen und nachvollziehbar einordnen.
Umfrage mit mindestens 1.000 Teilnehmern
Bevor programmiert wird, fragt das Team nach. In Interviews und einer Befragung von mindestens 1.000 Menschen soll geklärt werden, welche Informationen die einzelnen Gruppen benötigen und wie sie den Einsatz von KI in der Wärmewende sehen. Dazu kommt eine Auswertung regionaler Erfahrungen. Aus den Ergebnissen entstehen typische Nutzerprofile, an denen sich die Entwicklung ausrichtet.
Die Plattform wird anschließend schrittweise mit Akteuren aus der Praxis erprobt, vorgesehen sind mindestens sechs bis acht Testformate. Energieversorger in Weißwasser, Hoyerswerda und Aachen bringen ihre Planungsstände und Anforderungen ein. Weitere Erprobungen sind unter anderem in Cottbus, Zittau und Dormagen geplant. Das Ziel: früh erkennen, was im Arbeitsalltag von Kommunen und Versorgern trägt und wo nachgebessert werden muss.
Zwei Modellregionen im Strukturwandel
Zum Verbund gehören neben dem Fraunhofer IEG das Fraunhofer FIT, das Fraunhofer ISI, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit ihrem Zentrum für Interdisziplinäre Regionalstudien, die Hochschule Zittau/Görlitz sowie die Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dormagen.
Per Absichtserklärung sind in der Modellregion Hoyerswerda/Weißwasser die Stadtwerke Weißwasser, die Stadt Weißwasser, die Tilia GmbH und die Versorgungsbetriebe Hoyerswerda eingebunden. In Nordrhein-Westfalen arbeiten die Stadt Aachen, die BasePeak GmbH und die Mensch goes GmbH mit.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert HEATogether im Programmbereich »Energiewende und Gesellschaft«, Projektträger ist das Forschungszentrum Jülich. Das Gesamtbudget liegt bei rund 1,3 Millionen Euro, davon entfallen knapp 773.000 Euro auf das Teilvorhaben »KI-Wärmeplattform und gesellschaftliche Analyse« des Fraunhofer IEG. Das Projekt läuft vom 1. August 2026 bis zum 31. Januar 2029 (Förderkennzeichen 03EI5287A).

