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Zwischen Dürre und Starkregen: Forschung für Kommunen

Wenn wochenlang kaum Regen fällt und wenig später Bäche anschwellen, wirkt Klimaanpassung plötzlich nicht mehr wie ein abstraktes Schlagwort, sondern wie eine sehr konkrete Aufgabe vor Ort. Genau dort setzte das Forschungsprojekt BauWaOpKliNu an. Zum Abschluss stellten die Hochschule Coburg und TNL Umweltplanung Werkzeuge vor, mit denen Kommunen ihren Wasserhaushalt vorausschauender steuern können – nicht irgendwann, sondern dort, wo über Flächen, Wege, Gräben und Rückhalt entschieden wird.

BauWaOpKliNu rückt die Wasserbewirtschaftung in den kommunalen Alltag

Gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, widmete sich das Projekt einer Frage, die in Rathäusern und Planungsstellen längst keine akademische Fingerübung mehr ist: Wie lässt sich eine Landschaft so entwickeln, dass sie Wasser länger hält, Trockenphasen besser übersteht und Starkregen weniger Schaden anrichtet? Rund 100 Teilnehmer aus Behörden, Kommunen, ILE-Allianzen und Fachverbänden verfolgten das gut 90-minütige Abschlussprogramm und brachten sich über einen Live-Chat ein. Das hatte stellenweise etwas von einer digitalen Bürgersprechstunde für Wasserfragen – nur deutlich fachlicher und, nun ja, näher an der Realität kommunaler Planung.

Im Studio diskutierten Frank Bernhausen und Anton Kohl von TNL Umweltplanung mit Prof. Dr. Andreas Weiß von der Hochschule Coburg, der dort Wasserbau und Siedlungswasserwirtschaft lehrt, mit Tanja Kempen von der Hochschule Göttingen, die sich mit KI-gestützter Analyse von Rückegassen im Wald befasst, sowie mit Dr. Philipp Gerhardt von baumfeldwirtschaft, der seine Erfahrungen zum Keyline Design einbrachte. Der rote Faden dieser Runde war schnell erkennbar: Nicht jedes Problem beginnt erst beim Regenereignis selbst. Oft entscheidet schon die Nutzung einer Fläche darüber, ob Wasser gehalten, geleitet oder viel zu rasch abgeführt wird.

Prof. Dr. Andreas Weiß leitet das Wasserlabor der Hochschule Coburg. Hier kann er beispielsweise im Modell nachstellen, wie sich bauliche Strukturen auf Wasserströme auswirken. Foto: Natalie Schalk / Hochschule Coburg
Prof. Dr. Andreas Weiß leitet das Wasserlabor der Hochschule Coburg. Hier kann er beispielsweise im Modell nachstellen, wie sich bauliche Strukturen auf Wasserströme auswirken. Foto: Natalie Schalk / Hochschule Coburg

Algorithmen und Maßnahmenkatalog sollen Kommunen Orientierung geben

Im Mittelpunkt standen nach Angaben der Projektpartner drei Bausteine. Zum einen ein neu entwickelter Punkt- und Flächen-Algorithmus, der geeignete Wasserrückhalteflächen erkennbar machen soll. Hinzu kommt ein wissenschaftlich fundierter Maßnahmenkatalog, der Kommunen eine greifbare Orientierung für Verbesserungen bietet. Und dann war da noch die entscheidende Praxisfrage: Was lässt sich in unterschiedlichen Regionen tatsächlich umsetzen, ohne dass Vorhaben am Geld, an Zuständigkeiten oder am berüchtigten Verwaltungsalltag zerschellen?

Andreas Weiß machte in der Diskussion deutlich, Lösungen müssten einfacher umsetzbar und finanziell überschaubar bleiben; andernfalls stocke vieles schon in der frühen Phase. Zugleich habe das Projekt gezeigt, wie Forschung aus der Hochschule auf Region, Wirtschaft und Gesellschaft ausstrahlen könne. Das klingt zunächst selbstverständlich, ist es aber nicht. Gerade bei der Wasserbewirtschaftung liegen gute Ideen oft lange auf dem Tisch, während draußen bereits der nächste trockene Sommer oder der nächste Starkregen anklopft.

Flächennutzung im Einzugsgebiet wird zur Schlüsselfrage

Damit rückte ein Punkt ins Zentrum, der in Debatten über Klimafolgen gern zu technisch oder zu kleinräumig behandelt wird: die Flächennutzung im Einzugsgebiet. Nicht allein die Menge des Regens entscheidet über Schäden oder Trockenstress, sondern auch die Frage, wie Böden bewirtschaftet, Wege angelegt, Wälder erschlossen oder Flächen entwässert werden. In Zeiten von Wasserüberschuss und Wassermangel gewinnt der Landschaftswasserhaushalt damit spürbar an Gewicht. Was früher mancherorts wie Detailplanung wirkte, ist heute ein Hebel mit erstaunlicher Wirkung.

Dass in diesem Zusammenhang auch KI-gestützte Analysen von Rückegassen im Wald und Ansätze aus dem Keyline Design zur Sprache kamen, passt ins Bild. Gesucht werden keine Patentrezepte für jede Region, sondern Werkzeuge, die sich an örtliche Gegebenheiten anlehnen und dennoch wissenschaftlich belastbar bleiben. Genau darin liegt der Reiz des Projekts – und, ein kleines Stück weit, auch seine Bewährungsprobe.

Aus der Forschung soll ein Werkzeug für Regionen werden

Unterm Strich lieferte BauWaOpKliNu belastbare Ansätze, um den Landschaftswasserhaushalt zu stärken, Dürre besser vorzubeugen und die Folgen von Starkregen zu mindern. Nach Angaben der beteiligten Einrichtungen arbeiten TNL Umweltplanung und die Hochschule Coburg nun an einem regional anpassbaren Produkt, das Kommunen und Planungsverbänden konkrete Hilfen für eine vorausschauende Wasserplanung geben soll. Ob daraus ein Instrument wird, das nicht nur auf dem Papier überzeugt, sondern auch im Gelände, in Verwaltungen und in politischen Gremien Bestand hat, wird sich erst in der Anwendung zeigen. Genau dort beginnt am Ende die eigentliche Nagelprobe.