ForschungTitelmeldung

Sto-Stiftung stärkt Forschung zwischen Labor und Baustelle

Mit „Explore! Bauen weiterdenken“ erweitert die Sto-Stiftung ihre Förderung um ein Programm für interdisziplinäre Forschung im Bauwesen. 2026 stehen dafür 80.000 Euro bereit. Im Fokus stehen Projekte, die wissenschaftliche Arbeit mit konkreter Anwendung in Planung, Handwerk und Baupraxis verbinden.

Nicht jede gute Idee für das Bauen findet den Weg aus der Forschung in die Anwendung. Zwischen Materialversuch, Entwurf, Berechnung, Werkstatt und Baustelle liegen oft genau jene Übergänge, an denen aus Erkenntnissen tragfähige Lösungen werden müssen. An dieser Schnittstelle setzt die Sto-Stiftung mit dem neuen Förderprogramm „Explore! Bauen weiterdenken“ an.

Das Programm richtet sich an Vorhaben, die grundlegende Fragen des künftigen Bauens bearbeiten: Wie lassen sich Ressourcen schonender einsetzen? Wie können Gebäude und Infrastruktur besser auf klimatische Veränderungen reagieren? Welche Rolle spielen neue Materialien, digitale Prozesse oder veränderte Konstruktionsweisen? Gefördert werden wissenschaftlich begleitete Projekte, die nicht im theoretischen Raum stehen bleiben, sondern den Transfer in die Praxis mitdenken.

Bauwende als Forschungsaufgabe

Die Ausgangslage ist vielschichtig. Das Bauwesen steht vor wachsenden Anforderungen: Klimawandel, knapper werdende Ressourcen, steigende Ansprüche an Gebäude und Infrastruktur sowie neue Werkstoffe verändern die Maßstäbe für Planung und Ausführung. Viele dieser Fragen lassen sich nicht allein durch Routine oder die Fortschreibung bewährter Verfahren beantworten.

„Explore!“ öffnet deshalb ein breites thematisches Feld. Gefördert werden können Projekte zur Entwicklung neuer Materialien ebenso wie Untersuchungen zu Fertigungs- und Konstruktionsmethoden. Auch Forschung zur energetischen Optimierung von Häusern, zur Sanierung und Erhaltung von Bestandsgebäuden sowie zu digitalen Planungsprozessen fällt in den möglichen Rahmen. Hinzu kommen Ansätze, die Handwerk, Planung und wissenschaftliche Forschung enger miteinander verbinden.

Damit rückt die Sto-Stiftung einen Punkt in den Vordergrund, der für die Bauwende besonders relevant ist: Wissen entsteht nicht nur an Hochschulen oder in Forschungseinrichtungen. Es entsteht auch in der Auseinandersetzung mit handwerklichen Verfahren, technischen Abläufen und realen Bauaufgaben. Das Programm beschreibt Bauen daher als Gemeinschaftsaufgabe, bei der verschiedene Disziplinen ihre jeweiligen Stärken einbringen.

Einen Bezug zu Planung, Wissenschaft und Handwerk müssen die Disziplinen aufweisen, die sich um die Forschungsförderung Explore! bewerben können. Bild: pivopix – Christoph Große / Sto-Stiftung
Einen Bezug zu Planung, Wissenschaft und Handwerk müssen die Disziplinen aufweisen, die sich um die Forschungsförderung Explore! bewerben können. Bild: pivopix – Christoph Große / Sto-Stiftung

Breite Zielgruppe statt enger Fachlogik

Der Adressatenkreis ist entsprechend weit gefasst. Angesprochen sind Architektur und Innenarchitektur, Bauingenieurwesen, Bauphysik, Bauchemie und Baubiologie. Auch Physik, Chemie, Bioingenieurwesen, Baustoffinstitute und Materialforschungseinrichtungen gehören zur Zielgruppe. Ergänzt wird dieses Spektrum durch Handwerkerinnen und Handwerker, Technikerinnen und Techniker sowie Meisterinnen und Meister des Ausbaugewerbes.

Diese Breite ist mehr als eine formale Öffnung. Sie macht deutlich, dass Forschung im Bauwesen häufig dort produktiv wird, wo Fachgrenzen durchlässig werden. Neue Materialien müssen nicht nur entwickelt, sondern verarbeitet, geprüft, geplant und in bestehende Bauabläufe integriert werden. Digitale Prozesse entfalten ihren Nutzen erst, wenn sie mit den Anforderungen der Ausführung zusammenpassen. Und Sanierung verlangt neben technischem Wissen auch Erfahrung mit dem Bestand.

Nach Angaben von Prof. Ralf Pasel, Stiftungsrat Architektur, solle das Programm Neugier und die Bereitschaft fördern, Fragen weiterzudenken und daraus anwendbare Lösungen zu entwickeln. Zugleich erweitere „Explore!“ die bisherigen Förderbereiche Architektur und Handwerk um den Baustein interdisziplinärer Forschung. Damit entstünden Freiräume für Austausch und neue Impulse.

Anschluss an bestehende Förderung

„Explore!“ knüpft an das bisherige Format „DesignBuild Research“ an, das in der Architekturforschung verankert ist und sich besonders an den akademischen Nachwuchs richtet. Das neue Programm führt diesen Ansatz weiter, setzt ihn jedoch breiter auf. Nicht mehr nur einzelne Felder der Architektur- oder Handwerksförderung stehen im Vordergrund, sondern das Zusammenspiel unterschiedlicher Wissensformen.

Das entspricht dem Selbstverständnis der Sto-Stiftung, die seit ihrer Gründung Talente in Architektur und Handwerk fördert. Mit „Explore!“ kommen nun weitere Gruppen hinzu. Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Praxispartner können gemeinsam an Themen arbeiten, die theoretische Erkenntnis und praktische Erfahrung enger verbinden.

Für die Ausschreibung 2026 stellt die Sto-Stiftung eine Gesamtfördersumme von 80.000 Euro bereit. Der Betrag schafft einen Rahmen für unterschiedliche Forschungsansätze, ohne das Programm auf einen engen Projekttyp festzulegen. Entscheidend bleibt der Bezug zur Baupraxis: Gefragt sind Vorhaben, die das Bauen nicht nur untersuchen, sondern weiterentwickeln wollen.